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BERYLLS STUDIE AFTERSALE
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12. April 2019
PRESSE

BERYLLS STUDIE: QUO VADIS OEM AFTERSALES?

EINFLUSS DER DIGITALEN TRANSFORMATION AUF DAS AUTOMOBILE SERVICE-GESCHÄFT.

  • Die Berylls Aftersales Studie zeigt: Digitalisierung setzt die klassischen Erlösquellen des Teile- und Lohngeschäfts im Aftersales-Geschäft unter Druck.
  • Risiko: Elektromobilität und autonomes Fahren reduzieren den Bedarf an Reparaturen, Wartung und Ersatzteilen um bis zu 76 Prozent gegenüber konventionellen Autos.
  • Neue datengetriebene OEM-Geschäftsmodelle und der immer noch wachsende Fahrzeugbestand sind wichtige Umsatztreiber. Weltweit wächst der Umsatz im Aftersales Business bis 2035 von heute 579 auf 775 Milliarden Euro.
  • Neue Plattformen steigen in die Wertschöpfungskette ein und machen Werkstätten der OEMs die Kundenschnittstelle streitig.
München, Januar 2019 – Die digitale Transformation der automobilen Welt verändert nicht nur die Autos und die OEMs grundlegend, sie macht auch vor dem Aftersales Geschäft nicht Halt. Dabei entpuppen sich die so genannten CASE-Technologien gleichermaßen als Fluch und Segen, wie die Berylls Studie “Quo vadis OEM Aftersales?” zeigt.
Weltweit wachsende Zulassungszahlen überdecken die Disruption zunächst noch. Aktives Handeln von Herstellern und Händlerbetrieben ist dennoch dringend nötig, denn E-Mobilität und autonomes Fahren in Shared-Flotten lassen die Aftersales-Erlöse um bis zu 76 Prozent einbrechen, weil der Bedarf für Reparaturen, Wartung und Ersatzteile drastisch zurückgeht. Zudem schalten sich Anbieter für Online-Services in die Wertschöpfungskette ein, was den Marktanteil und die Margen von OEMs und Handel schmelzen lässt. Der Wettbewerb um den Kunden nimmt kräftig Fahrt auf.
Vor allem Connectivity und Shared Mobility Chancen bieten aber auch Chancen, denen die Berylls Studie allein für Shared Mobility Konzepte bis 2035 ein Umsatzpotenzial von 320 Milliarden Euro attestiert. Eine vorausschauende Wartung, die Pannen verhindern kann, gehört unter anderem zu diesen Angeboten. Unternehmen die daran teilhaben wollen, müssen jedoch in neue Technik investieren, ihre Kundenorientierung schärfen und die Prozesse datengetrieben ausrichten.

DER EINFLUSS DER CASE-TECHNOLOGIEN AUF DEN AFTERSALES MARKT WIRD ENORM WACHSEN.

2035 werden weltweit etwa 1,5 Milliarden Autos unterwegs sein, 50 Prozent mehr als heute, und die meisten von ihnen sind mit einem klassischen Antriebsstrang ausgestattet. Sie brauchen weiterhin einen Service mit kurzen Wartungsintervallen, Luft- und Ölfiltern, Zahn- und Keilriemen etc. Es sieht also ganz so aus als wäre die Welt des Autohandels und der OEM-Servicepartner in bester Ordnung, das Geschäftsmodell noch für Jahrzehnte gesichert, aber dies ist ein Irrtum.
Die digitale Vernetzung von Auto und Kunde, Shared Mobility Angebote und die stetig wachsende Bedeutung der E-Mobilität, werden das Aftersales Business in den entwickelten Ländern schon in den nächsten Jahren auf den Kopf stellen, wie die Berylls Studie Quo Vadis OEM Aftersales zeigt. Ein Blick auf das E-Auto macht deutlich, warum das so ist. Denn es braucht fast keine Wartung, muss daher extrem selten in die Werkstatt. Und wenn es doch einmal zum Service vorbeischaut, sind kaum Verschleißteile zu ersetzen. An einem konventionell angetriebenen Auto lässt sich heute im Durchschnitt pro Jahr etwa 790 Euro Umsatz erzielen, bei einem E-Auto sinkt dieser Betrag auf nur noch 540 Euro. Die Berylls Studie zeigt, dass rund ein Drittel des globalen Service-Gesamtumsatzes derzeit allein im Antriebsstrang erwirtschaftet wird. Davon bleibt praktisch nichts übrig.
Robotaxen sind noch einmal erheblich anspruchsloser als nicht autonome-E-Mobile. Ihr Service-Umsatz sinkt noch einmal kräftig und wird jährlich im Durchschnitt nicht mehr als 260 Euro zum Aftersales Geschäft betragen. Weil mit zunehmender Fähigkeit zum autonomen Fahren zudem die Unfallreparaturerlöse zurück. Reparaturumfänge und Ersatzteilbedarfe werden massiv schrumpfen. Ein Umsatzeinbruch um bis zu 76 Prozent ist zu erwarten.
Doch diese Veränderungen geschehen nicht von heute auf morgen und sie werden sich beginnend in den großen Metropolen voraussichtlich langsam in der Fläche ausbreiten. Den Herstellern und Servicebetrieben bleibt also Zeit sich anzupassen.

DAS AFTERSALES GESCHÄFT WIRD SICH GRAVIEREND VERÄNDERN, DARAUF GILT ES VORBEREITET ZU SEIN.

Für die Studie befragte Berylls 30 Topmanager die im Aftersales Geschäft tätig sind, nach ihren Erwartungen und ihrer Einschätzung der kommenden Veränderung. Diese Aussagen wurde durch detaillierte Marktanalysen und Berylls-eigene Prognosen ergänzt, um die mittel- und langfristige Entwicklung der Aftersales Geschäfts aufzuzeigen. „Auf den ersten Blick lässt sich hier ein durchaus positiver Trend erkennen.“, so Jonas Wagner, Aftersales-Experte bei Berylls „Eine Neuausrichtung des digitalen Service-Angebots und innovative Erlösmodelle können Umsatzeinbußen durch E-Mobilität und autonome Fahrzeuge ausgleichen.“ Allerdings fallen diese Umsatzsteigerungen regional sehr unterschiedlich aus. Während der chinesische Markt in den nächsten Jahren um etwa 3,8 Prozent wachsen wird, prognostizieren die Berylls-Experten für den europäischen Gesamtmarkt und die USA weniger als ein Prozent Wachstum, in Deutschland sehen sie sogar leicht rückläufige Umsätze.
Erschwerend kommt hinzu, dass sich die Mehrheit der befragten Manager nur unzureichend auf die digitale Transformation vorbereitet sieht. Dennoch bewerten drei von vier branchennahe Topmanager Big Data, künstliche Intelligenz und Connectivity als wichtige Wegbereiter für neue und profitable Aftersales-Geschäftsmodelle.
Das Verständnis für diese Case-Themen ist freilich bei neuen Playern im Aftersalesmarkt vielfach höher als bei den Machern der klassischen Autowelt. Mobilitätsanbieter wie Uber oder Lyft besitzen hier einen Vorsprung. Sie setzen seit Jahren auf app-basierten Diensten und Connectivity.

NEUE MOBILITÄT BRAUCHT INNOVATIVE SERVICE-KONZEPTE UND GESCHÄFTSMODELLE.

Im Kundenkontakt sieht Wagner eine große Stärke der OEM und klassischen Servicepartner: „Innerhalb der ersten vier Jahre nach dem Neuwagenkauf, bleibt der größte Teil der Kunden bei Servicearbeiten seiner Markenwerkstatt treu.“ Hier können die OEMs ansetzen und dem Kunden ein durchgängiges und positives Erlebnis vermitteln, ihm mehr bieten als er erwartet, um so freien Werkstätten oder Online-Serviceportalen Paroli zu bieten. Connected Services sollen die Lösung sein. Kunde, Auto und Werkstatt sind per App eng miteinander verbunden, prädiktive Wartung, die einem Ausfall eines Bauteils zuvorkommt oder Fehlerbehebung per Software-Update per Funk oder over-the-air, können die Kundenbindung an die Werkstatt verbessern.
Außerdem zeichnet sich eine neue Mobilitätswelt ab, die völlig neue Geschäftsmodelle benötigt. Denn Robotaxi Flotten und Mobility as a Service-Fahrzeuge wollen auch gewartet werden. In den nächsten zehn Jahren sollen in USA, China und Europa etwa 20 Millionen weitgehend autonome Fahrzeuge für professionelle Mobillitätsdienstleistungen auf die Straße kommen. Berylls hat für sie ein Umsatzpotenzial für neue Aftersales-nahe Dienstleistungen von bis zu 320 Milliarden Euro errechnet. Schließlich werden diese Mobile fast permanent genutzt und erreichen pro Jahr eine Laufleistung von voraussichtlich 100.000 Kilometern und müssen daher entsprechend häufig gecheckt werden. Daraus ergeben sich Betreibermodelle, die diese Fahrzeuge laden, reinigen, reparieren und bei Nichtbedarf parken. Immerhin können Anbieter, die sich hier engagieren und so genannte Hubs für diese Flotten betreiben, den Wegfall von Ölwechseln und Zündkerzentausch kompensieren.
DIALOG

CHRISTIAN BANGEMANN

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