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ie Automobilzulieferindustrie in Europa befindet sich in einer Phase beschleunigter Marktbereinigung. Diese Entwicklung hat sich auch in 2025 weiter fortgesetzt: Der M&A-Markt ist um knapp 19 % eingebrochen – konkret ist die Anzahl der Transaktionen von 186 im Jahr 2024 auf 151 im Jahr 2025 gefallen.
Regional zeigt sich ein differenziertes Bild: In der DACH-Region fällt die Anzahl der Transaktionen von 2024 auf 2025 von 48 auf 36 (–25 %). Damit verzeichnet diese Region den deutlichsten Rückgang in Europa, absolut gesehen bleibt sie jedoch weiterhin M&A-Spitzenreiter, gefolgt von Großbritannien, Italien und Frankreich.
Abbildung 1 – Anzahl der abgeschlossenen M&A Transaktionen im Automobilbereich in Europa und der DACH-Region im Zeitraum 2022-2025
Quelle: Gain.pro, Pitchbook
Unsichere wirtschaftliche Aussichten, hohe Finanzierungskosten (wenn eine Finanzierung überhaupt möglich ist), unterschiedliche Preisvorstellungen und Integrationsrisiken durch bestehende Strukturen haben Übernahmen im Automobilsektor gebremst. Viele Transaktionen scheitern an vorsichtiger Bewertung und erschwerter Kapitalbeschaffung – ein wesentlicher Grund für die rückläufige Anzahl der Transaktionen.
Insbesondere in Deutschland, wo die Automobilindustrie traditionell von starken Herstellern und Zulieferern geprägt ist, beschleunigt sich aktuell die Marktbereinigung. Viele Zulieferer prüfen derzeit den Einstieg in die Rüstungsindustrie, um rückläufige Abrufzahlen abzufedern und Kapazitäten neu zu nutzen. So hat Schaeffler öffentlich Rüstung als strategisches Diversifizierungsfeld identifiziert. Auch Aumovio (Continental-Spin-off) und ZF untersuchen ihre bestehenden Kompetenzen hinsichtlich der Einbindung von Defence-Applikationen.
Da Innovationsphasen immer kürzer werden, ist rasches Handeln entscheidend. Übernahmen und Beteiligungen ermöglichen Unternehmen, direkt an zukunftsträchtigen Technologien und Märkten teilzuhaben und Wettbewerbsnachteile gegenüber neuen Marktteilnehmern zu vermeiden bzw. auszugleichen.
Exemplarisch steht die Fusion von Schaeffler und Vitesco (2024) für den Trend zur technologiegetriebenen Konsolidierung: Mit einem kombinierten Umsatz von rund 25 Milliarden Euro entstand ein auch auf Elektromobilität fokussierter Tier-1-Zulieferer. Des Weiteren ist der Verkauf von ZFs ADAS-Geschäft an HARMAN International für 1,5 Milliarden Euro sicherlich branchenweisend für die Zukunft.
Der zunehmende wirtschaftliche Druck im Zuliefersektor führt zu mehr Unternehmensinsolvenzen, deren Zahl in Deutschland deutlich von 46 im Jahr 2023 auf 57 (+24 %) im Jahr 2024 und 80 (+40 %) im Jahr 2025 steigt. Für strategische Käufer und Finanzinvestoren entstehen Möglichkeiten für Übernahmen und Restrukturierungen, vor allem dort, wo Technologiekompetenz nachhaltig in neuen Anwendungsfeldern (außerhalb der Automobilbranche) angewendet werden kann.
Für 2026/2027 ist zu erwarten, dass M&A-Aktivitäten im Automobilsektor weiterhin stark von krisenbedingten Übernahmen und technologiegetriebenen Transaktionen geprägt sein werden. Die bekannten Herausforderungen rund um Finanzierung, Bewertung und bestehende Strukturen bleiben bestehen und wirken sich auf die Dynamik des Marktes aus.
Krisenbedingte Übernahmen im Fokus
Ein anhaltend hohes Maß an finanziellen Herausforderungen und Insolvenzen bei Zulieferern sorgt dafür, dass immer mehr Unternehmen zum Verkauf stehen. In diesem Umfeld gewinnen Transaktionen mit Sanierungscharakter und schnellen Abwicklungen an Bedeutung. Für Käufer rücken Möglichkeiten zur Stabilisierung und gezielten Sicherung von Kapazitäten und Technologien in den Vordergrund.
Technologieübernahmen bleiben selektiv – und teuer
Nach einer Phase des Bewertungsdrucks stabilisieren sich die Preise für Unternehmen mit Schlüsseltechnologien wieder. Besonders gefragt sind weiterhin Innovationen rund um Elektrifizierung, Digitalisierung und Automatisierung – etwa in den Bereichen Software, Künstliche Intelligenz oder Batterietechnologie. Während für Spitzentechnologien hohe Summen gezahlt werden, geraten die Bewertungen von Standardzulieferern vermehrt unter Druck.
Geopolitische Einflüsse gewinnen an Gewicht
Geopolitische Spannungen und regulatorische Anforderungen beeinflussen Übernahmen stärker als klassische Finanzkennzahlen. Längere Prüfprozesse und striktere Vorgaben, insbesondere in Bezug auf lokale Wertschöpfung und Informationssicherheit, prägen den Markt. Unternehmen mit geringer Abhängigkeit von einzelnen Märkten oder Lieferketten sind besonders gefragt. Strategische Weitsicht ist auch für M&A Themen gefragter denn je.
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